Die „Agenda 2030“ der UN springt zu kurz

In nicht einmal zwölf Jahren sollen die gravierenden Probleme der Menschen und der Welt gelöst sein. Die „Agenda 2030“ der UN übersieht jedoch weitgehend die diruptive Energie der Digitalisierung und des technologischen Fortschritts.

Unter dem Dach der Vereinten Nationen läuft seit 2016 der bisher ambitionierteste Plan der Staatengemeinschaft, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Diese „Agenda 2030“ umfasst 17 „Sustainable Development Goals“ (SDGs), die wiederum in Teilziele unterteilt sind. Fehlende Ambitionen kann man den Verantwortlichen der multilateralen Organisationen, Staaten und NGOs nun wirklich nicht vorwerfen: Bis Ende des nächsten Jahrzehnts wollen sie die vielfältigen Probleme der Menschen und es Planeten nicht nur lindern, sondern ganz beseitigen. Armut und Hunger beispielsweise.

Der neue Statusbericht der Weltbank zu den SDGs dokumentiert – soweit es die teils veraltete Datenlage hergibt – die Fortschritte bei den SDGs. So konnte zwischen 1990 und 2013 die Zahl der Menschen in extremer Armut um eine Milliarde verringert werden, vor allem wegen des wirtschaftlichen Aufschwungs in Ostasien zurückzuführen ist. Gleichzeitig hat sich die Lage in Afrika südlich der Sahara („Subsahara“) deutlich verschlechtert. Über 41 Prozent der Menschen dort, so schreibt die Weltbank, leben in extremer Armut. Tendenz steigend, weil die Bevölkerung in Afrika weiter rapide wächst. Parallel dazu nehmen auch die Ernährungsprobleme in Afrika zu. Es ist die einzige Region auf der Welt, in der die Zahl unterernährter Kinder steigt. In weiten Teilen Afrikas, aber auch in einzelnen asiatischen Staaten, sind 15 Prozent der Bevölkerung oder mehr unternährt.

 

Quelle: youtube.de / BMZ

Ein neues Mindset

Die Beispiele Hunger und Armut belegen, dass auf zwei Schritte vor oft auch einer zurück folgt. 2030 kommt schnell, und es ist absehbar, dass die Staatengemeinschaft viele ihrer Entwicklungsziele nicht erreichen wird. Was fehlt, ist ein starker Hebel, ein Energieschub, wie er nur durch die Digitalisierung und den technologischen Fortschritt erzeugt werden kann. Die Digitalisierung hilft nicht nur, die Sustainable Development Goals (SDGs) zu erreichen, sondern ist dafür der alles entscheidenden Faktor. Diese Botschaft, das zeige ich in meinem neuen Buch „Erde 5.0 – die Zukunft provozieren“, ist in den Gremien der UN noch nicht angekommen

Um nicht missverstanden zu werden: Weltweit haben Universitäten, Start-ups oder Technologiefirmen bereits zahlreiche digitale Projekte auf den Weg gebracht, um für eine bessere Bildung zu sorgen, die Landwirtschaft in den von Hunger besonders betroffenen Gebieten effizienter zu gestalten oder die Gesundheitsversorgung zu verbessern. Selbstredend engagieren sich auf die UN digital, zum Beispiel beim Thema Blockchain, um den Menschen eine verlässliche ID zu geben, Korruption zu bekämpfen oder Eigentumsverhältnisse an Boden und Immobilien festzuschreiben. Aber der visionäre Wurf, die zündende Idee fehlt noch. Dabei erlaubt es uns die aufziehende fünfte industrielle Revolution doch längst, größer als bisher zu denken und eine bessere, gerechtere und für alle lebenswerten Welt regelrecht zu provozieren. Dafür gehören aber neue Fragen auf den Verhandlungstisch:

  • Zwingt uns die Digitalisierung dazu, von Konzepten wie „Wirtschaftswachstum“ und „Vollbeschäftigung“ Abstand zu nehmen?
  • Sollten wir nicht das Internet der Dinge nutzen, um eine neue Infrastruktur des Wohlstands bis in die entlegensten Gegenden der Welt zu bringen?
  • Gelingt es uns auf diesem Wege, den Menschen einen Zugang zu Bildung und Information, Kapital und Produktionsmitteln sowie Gesundheits- und Sozialleistungen zu eröffnen?
  • Lässt sich der Zugang zum Internet als Menschenrecht durchsetzen und verwirklichen?
  • Ist die Investition in bedingungslose Grundeinkommen für Menschen in der Dritten Welt nicht sinnvoller als wirtschaftliche Entwicklungshilfe?
  • Können wir mit Big Data, Künstlicher Intelligenz und Plattformen die Verteilung von Lebensmitteln neu organisieren?

 

(Ich beantworte alle diese Fragen übrigens mit einem klaren Ja!)

Das ist der Stoff, aus dem ein „Mindset“ für die Erde 5.0 gemacht ist: die Innovationsschübe der Digitalisierung antizipieren, die Risiken im Blick behalten und vor allem die Chancen mutig und entschieden nutzen. Nur so können die Entwicklungsziele der Staatengemeinschaft tatsächlich erreicht werden. Nicht 2030, dafür ist es leider zu spät, aber vielleicht 2040 oder 2050.

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